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Grosser Bahnhof für die Modellbaufreunde

Der Freiämter Eisenbahn Amateur Club darf auf ein Vierteljahrhundert zurückschauen. Aus Anlass dieses Jubiläums zeigt der Verein morgen Samstag, 6. Mai, seine Bau- und Kunstwerke einer breiten Öffentlichkeit. Eine gute Gelegenheit, sich im geheimnisvollen "FEAC-Haus" umzusehen.

Einzig das Semaphorsignal und die Bahnglocke vor dem Klubhaus weisen darauf hin, dass hinter den Türen die Eisenbahn das Thema ist. Was sich dem Besucher in diesem Haus zeigt, wird nicht nur Hobbybähnler begeistern. Der Weg dazu war nicht immer einfach und erinnert an die visionären Zeiten im Schweizer Eisenbahnbau.

Der Gründung des Freiämter Eisenbahn Amateur Clubs (FEAC) gingen intensive Bemühungen des Wohler Arztes Hansruedi Moesch voran. Die Werbung der Gründungsmitglieder erfolgte vielfach in seiner Praxis. Neun Personen liessen sich für das Projekt begeistern und gründeten 1975 den Verein. Für ein geeignetes Klublokal war wiederum voller Einsatz gefragt, der mit dem Bezug des Zivilschutzkellers im Schulhaus Junkholz belohnt wurde. Luftschutzräume haben jedoch auch unangenehme Seiten: Einerseits sind die Belüftungsmöglichkeiten beschränkt und man ist nie sicher, ob die Lokalitäten nicht überraschend geräumt werden müssen. Die Modellbähnler liessen sich dadurch nicht beirren und nützten den beschränkten Raum bis ins Letzte. Ein alte Weisheit der Modelleisenbähnler besagt, dass eine Anlage nie fertig sein darf. Und mit der maximalen Raumausnutzung war es um dieses Motto bereits geschehen.

Das eigene Klubhaus

Die Pionierzeit der Eisenbahnväter beim Vorbild scheinen sich weitervererbt zu haben. Nur so ist es zu erklären, dass sich die Modellbähnler an ihr grösstes Projekt in der Vereinsgeschichte wagten. Nachdem verschiedene Varianten für einen Klubraum aus örtlichen oder finanziellen Gründen fallen gelassen werden mussten, entschloss man sich, ein Klubhaus selber zu bauen. Die Gemeinde stellte dem Verein oberhalb der "Bleichi" ein 200 Quadratmeter grosses Landstück im Baurecht zur Verfügung. Auf diesem Land realisierten die Modellbähnler für einmal etwas in Originalgrösse. Rund 4700 Fronarbeitsstunden waren nötig, um innerhalb von elf Monaten einen 25 x 8 Meter grossen Stahlbau auf einer Betonplatte zu erstellen.


Präsident Urs Käppeli an der Schaltzentrale seines Vereins.

Für den heutigen Präsidenten Urs Käppeli stellt die Bauphase immer noch den grössten Höhepunkt im Vereinsleben dar: "Während dieser Zeit sind die Kameradschaft und das Einstehen für den anderen gewachsen und zeichnen diesen Klub auch heute noch aus." Für den vielbeschäftigten Unternehmer und Schulpflegepräsidenten ist gerade diese tiefe Kameradschaft ein wichtiger Grund, keinen Klubabend zu verpassen. Dies gilt auch für die Mehrheit der Mitglieder (im Moment sind es 34 Mitglieder im Alter zwischen 16 und 80 Jahren), die jeweils am Donnerstagabend an der Klubanlage weiterbauen und auch den gemütlichen Teil nicht zu kurz kommen lassen. Auf die Frage, ob die Modellbahn nicht etwas für die Kinder ist, gibt Käppeli lachend Antwort: "Sie unterschätzen die Anforderungen, die heute an einen Modellbahnklub gestellt werden. Hier sind Fachleute aus den verschiedensten Berufen gefordert."

Wer den Mitgliedern zuschaut, kann diese Aussage nur bestätigen. Wie ein gordischer Knoten präsentiert sich der Anlageraum. Auf 16 x 8 Metern finden drei Anlagen mit verschiedenen Spurgrössen Platz. Es sind dies O (Massstab 1:45), HO (1:87) und N (1:160). Hunderte von Metern Gleis wurden auf den drei Anlagen verbaut. Kilometerlange Kabel bahnen sich den Weg von den einzelnen Streckenabschnitten zur Schaltzentrale. Sowohl die O-Anlage als auch die HO-Anlage werden von Computern gesteuert. Aber auch die manuelle Bedienung ist möglich und wird als Ergänzung zum computergesteuerten Fahrplan angeboten. Der Betrieb ist hektisch und wäre ohne Computer nicht mehr überblickbar. Die Steuerung ist übrigens eine Entwicklung von Klubmitgliedern.

Sich in diesem Wirrwarr zurecht zu finden, scheint für den Laien fast unerreichbar. Und hier bestätigt sich, was Käppeli mit den Fachleuten gemeint hat. "Nein, nicht nur Spezialisten sind gefragt", wehrt sich Käppeli, "bei uns findet jeder, der mitarbeiten möchte, eine Aufgabe". So findet sich der Handwerker auf einmal vor dem PC und hält die Anlage in sicherem Griff. Trotzdem sind die Spezialisten gefragt: Elektriker, Programmierer, Elektroniker, Maler und Schreiner erledigen Arbeiten, die höchstem Standard entsprechen. Zudem sind gewisse Berufsgattungen prädestiniert für besondere Aufgaben: Der Villmerger Zahnarzt Armin Meier kümmert sich nicht nur im Beruf um die kleinen Details (hier hingegen verursachen sie keine Schmerzen): die Modellbaustelle mit der originalgetreuen Signalisation verlangt nach einer ruhigen Hand.


Eines der Prunkstücke des Klubs: Die H0-Anlage wird stets mit fleissiger Arbeit gehegt und gepflegt.

Heimatschutz und die WM lebt tatsächlich weiter

Der Moderne zum Trotz begegnet man im Klubraum auch dem lebendigen Wohlen und Umgebung. Der pensionierte Klärmeister Paul Deboni zaubert regelmässig interessante und prägende Gebäude auf die Anlage. Man kann fast sagen, hier wird aktiver Heimatschutz betrieben, so findet man den Wohler Bahnhof samt Güterschuppen in seinem Zustand vor dem Umbau im Jahre 1983. Ergänzt wird dieses Thema mit weiteren markanten Häusern aus und um Wohlen.

Auch die Wohlen-Meisterschwanden-Bahn lebt beim einzigen Modellbahnklub im Freiamt weiter. Eine Trieb-/Steuerwagenkombination der WM bereichert den Wagenpark: An den Details wird mit viel Hingabe gearbeitet: Nur das Bier auf den Tischen in der Gartenwirtschaft scheint Kunstharz zu sein. Im Sägewerk herrscht Hochbetrieb und wer genauer hinsieht, wird feststellen, dass die Sägemaschinen nicht nur Attrappe sind: es lässt sich wirklich Holz sägen!

Die O-Anlage ist praktisch fertiggestellt und so konzentrieren sich die Arbeiten auf den kleineren Bruder. Noch ist vieles am Entstehen. Aber gerade dadurch bleiben dem Besucher die Geheimnisse des Modellbahnbaus nicht länger verborgen.

Text und Bilder: Christoph Mutzner, FEAC, Mai 2000